Umgang mit Verlust: Die fehlende Grundprägung

Fehlende Grundprägung: „Umgang mit Verlust“

Logisch verstehen, dass wir den Umgang mit Verlust von Kindheitstagen an nicht gelernt haben ist eine Sache. Die Bedeutung davon aber zu begreifen eine völlig andere.

Denn wenn man in den Zustand der Trauer katapultiert wird – und es ist immer ein hineinkatapultieren – hilft einem die reine Erkenntnis nicht weiter, dass es im Gehirn kein Programm gibt für den Umgang mit dem individuellen Verlust, der die Trauer auslöst, bzw. ausgelöst hat.

Möglicherweise liest Du diesen TrauerCoach-Ratgeber weil Du Dich aktuell in einer Trauer befindest und händeringend nach der Befreiung dieses furchtbaren Gefühls suchst. Vielleicht hast Du vor Jahren ein traumatisches Erlebnis gehabt und leidest heute noch darunter. Oder Du interessierst Dich aus anderen Gründen für das Thema Trauer. Es kann natürlich auch sein, dass Du beruflich mit Trauer zu tun hast und Du bist neugierig darauf, Trauernde unter einem völlig neuen Gesichtspunkt zu unterstützen.

Die Schwierigkeit dieser bahnbrechenden Sichtweise ist es, sie so zu vermitteln, dass sie tatsächlich als Unterstützung wahrgenommen wird, unmittelbar und direkt eingreifen zu können.

Die Sichtweise des TrauerCoaches

Als Entwickler des effektiven TrauerCoachings ist es mir ein großes Anliegen, eben dieses Verständnis leicht und verständlich zu erklären. Schließlich ist es neu und bahnbrechend auf dem Gebiet der Trauerarbeit.
Um das neue Verständnis, das neue Lernen und Denken aufbauen zu können, beginne ich damit, indem ich erkläre, warum wir Menschen keine Grundprägung für den Umgang mit Verlust zur Verfügung haben. Diese wissenschaftliche Erkenntnis ebnet den Weg für das weitere Verstehen.

Wir Menschen erleben vom Tag der Geburt bis ca. zum 8. Lebensjahr die sogenannte Grundprägungsphase unseres Wesens, unseres Unterbewußtseins.
Wir lernen in dieser 8 jährigen Zeitspanne alles fürs Leben notwendige. Laufen, Sprechen, Hand geben, schwimmen, Rad fahren, lesen und schreiben. Wir lernen was gut und schlecht ist als auch Werte, die unser späteres Leben bestimmen. Ob wir wollen oder nicht. Das einzige was wir nicht lernen, ist der gesunde Umgang mit Verlust.

Das sagt die Wissenschaft

Wissenschaftlich belegt ist, dass wir Menschen als vollkommen neutrales Wesen auf die Welt kommen. (Interessant dazu sind die Experimente des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz). Das Unterbewußtsein funktioniert ähnlich wie ein Arbeitsspeicher in einem PC. Er macht genau das, womit er programmiert wird. Keinen Bit mehr aber auch keinen Bit weniger. Und alle Programme werden im Hintergrund ausgeführt, wie es dem Arbeitsspeicher beigebracht wurde. Und der Arbeitsspeicher macht sich keine Gedanken darüber, ob das Programm gut oder schlecht für uns ist. Er führt es einfach aus.
Exakt auf die Gleiche Weise funktioniert das Unterbewußtsein. Und programmiert werden wir eben in der Grundprägungsphase von der Geburt bis ca. zum 8. Lebensjahr.

Was bedeutet das?

Da wir vom Tag der Geburt an noch keinen Verstand besitzen, werden wir durch alle Menschen um uns herum geprägt. Und zwar werden uns die Sichtweisen als auch die Denk- und Verhaltensweisen einprogrammiert, welche unsere Eltern besitzen. Diese haben aber eben auch eine Grundprägungsphase erlebt. Die Kultur des Ortes in dem wir groß werden mischt sich in diese Prägung. Der Kindergarten, die Schule, die Kirche, u.v.m.
Ab dem 8. Lebensjahr beginnen wir Menschen allmählich erstmals in unserem jungen Leben, die Dinge selbst zu bewerten. Der Verstand beginnt sich zu entwickeln. Der Verstand beginnt sich auf der Ebene der Neurobiologie um das Gehirn herum zu vernetzen. Im Verstand angesiedelt befindet sich auch das Bewertungssystem, mit dem wir in unserem künftigen Leben beginnen unsere eigenen, individuellen Werte festzulegen. Ohne es zu wissen, bestimmen auch diese Werte unser gesamtes Leben.

Nun – soweit zum Grundverständnis darüber, wie wir Menschen programmiert und geprägt werden. In meinem Buch „Der TrauerCoach“ gehe ich ausführlich auf diese Thematik ein.

Wir Menschen werden von unserem Umfeld für alle Eventualitäten des Lebens vorbereitet. Egal was uns im Leben geschieht, wir haben zumindest Möglichkeiten mit auf den Weg bekommen, wie wir handeln können. Ob wir es tun steht zwar auf einem anderen Blatt, aber zumindest haben wir für viele Situationen im Leben mögliche Verhaltenswege im Kopf, die durch die Grundprägung vorhanden sind.

Was den Umgang mit Verlust angeht, sieht es im Portfolio unserer unterbewußten Verhaltenspaletten mau aus. Sehr mau. Das liegt schlichtweg daran, dass selbst unsere Eltern und deren Eltern, etc. ebenso diesen Mangel an gesundem Trauern in ihren Grundprägungen haben.
Kommen wir also mit Verlust und der daraus resultierenden Trauer in Berührung, haben wir leere im Kopf. Nicht nur sprichwörtlich. Eine Verlusterfahrung im Zusammenhang mit dem Tod eines geliebten Menschen beginnt unweigerlich mit dem Erhalt der Todesnachricht. Es beginnt der Prozess des Begreifens. Es gibt nichts was man tun kann. Gar nichts. Wir können auf keinen möglichen Weg im Kopf zurückgreifen, wie man mit dem Verlust umgehen kann.

Trauern ist wichtig!

An dieser Stelle möchte ich deutlich zum Ausdruck bringen, dass es unbedingt notwendig ist den Grundprozess der Trauer zu erfahren!

Das bedeutet, dass begonnen von der Todesnachricht bis hin zu den Trauerfeierlichkeiten der Grundbaustein für den Umgang mit dem ereilten Verlust gelegt werden sollte, sodass man im späteren Verlauf des eigenen Lebens nicht daran zerbricht! Und genau an dieser Stelle greift das von mir entwickelte TrauerCoaching.

Kann man die Grundprägung nachholen?

Auch wenn uns Menschen eine Grundprägung für den Umgang mit Verlust fehlt, kann man diese Prägung nachholen. Mann kann das Programm für gesundes Trauern „nachinstallieren“. Dazu ist es notwendig, bestimmte Prozesse zu durchlaufen, die zunächst vielleicht mit Angst und Mut zu tun haben aber am Ende dafür sorgen, dass der Zugriff auf ein bestimmtes friedliches Gefühl vorhanden ist.

Das Fundament für gesundes Trauern liegt in der Fähigkeit verborgen, gesund trauern können. Und genau das ist es, was wir nie gelernt haben. Im nächsten TrauerCoach -Ratgeber – Tipp gehe ich deshalb zunächst auf das Thema „gesundes Trauern“ ein und wie man gesund trauern kann!